2 Türen

Der Ende 1968 eingeführte Ford P7b war eine überaus rasche Modellpflege des erst ein Jahr zuvor lancierten P7a. Der irritierte mit seiner Formsprache, doch mit dem Nachfolger wetzte Ford Deutschland diese Scharte an seinem Flaggschiff erfolgreich aus. 

Pollmann griff gern auf Ford Modelle für seine Umbauten zurück ©autorild.de

Seinerzeit dachte kein auch nur halbwegs seriöser Bestatter daran,

Sarg samt Toten in einem Transporter á la Citroen HY oder Ford Transit zu befördern. Dazu war der Ruf dieser reinen Nutzfahrzeuge viel zu schlecht, und selbst ein als Handwerkerauto verrufener Kombi hätte die Trauergemeinde vermutlich auf die Barrikaden gebracht. Glücklicherweise waren die meisten Kombis ohnehin zu klein und auch zu unrepräsentativ, sodass unabhängige Karosseriebauer liefern mussten. Bei unserem Fotomodell war es das von 1926 bis 2008 in Bremen tätige Unternehmen Pollmann, das den Ford P7b oberhalb der Gürtellinie gründlich auf seine künftigen Aufgaben hin vorbereitete.

Lamellengrill und V6-Emblem weisen auf einen Ford P7b 20M hin ©autorild.de

Am Blech vom Ford Oldtimer gab es viel zu tun

Zu den maßgeblichen Umbauten an diesem Ford Oldtimer gehören das Hochdach und die Neuverteilung und -gestaltung der Dachsäulen zugunsten eines durchgehenden Laderaumfensters. Damit dieses nicht nach unten hin abfällt, wurde die bei P7b Turnier, Limousine und Coupé abfallende Fensterlinie waagerecht gezogen. Darüber hinaus hielt eine zweiflüglige Hecktür Einzug, einer großen Klappe wie beim der Ford Kombi-Ausführung misstraute Pollmann offenkundig. Der seitliche Tankdeckel legt nahe, dass hier ein Turnier als Basisfahrzeug Verwendung fand, die übrigen Ausführungen hatten den Stutzen verdeckt hinterm Nummernschild sitzen. 

Der seitliche Tankdeckel legt einen Ford P7b Turnier als Basis nahe ©autorild.de

Der Ford P7b 20M trumpfte mit viel Platz auf

Überflüssig gewordene Fondtüren zuzuschweißen fiel aus, denn der Ford P7b Turnier war genau wie der achtern verblechte Kastenwagen bereits ab Werk als Zweitürer lieferbar. Nicht nötig war zudem eine Verlängerung der bei 271 cm Radstand 472 cm langen und 176 cm breiten Karosserie. Offenbar war der Laderaum vom Ford Oldtimer gerade noch in der Lage, ein durchschnittliches Erdmöbel aufzunehmen. Anderswo klappte das nicht immer, dann musste eben eine größere Blech-OP durchgeführt werden. Einfacher war es, ein größeres Basisfahrzeug zu nutzen. Oder eben gleich einen Kleintransporter. Ach nee, derartige Bestatter konnten sich erst mit dem Aufkommen von Discount-Beerdigungen durchsetzen.

Der Ford V6 sorgt in diesem Oldtimer-Leichenwagen für Fahrkomfort ©autorild.de

Der Oldtimer-Leichenwagen bot ein hohes Maß an Fahrkomfort 

Antriebsseitig verwöhnte der Ford P7b Pollmann seine noch lebenden Insassen: Statt des günstigeren V4 sorgt hier ein Sechszylinder unbekannter Abmessung für kultivierteren und vor allem auch leiseren Vortrieb. Der Lamellengrill deutet klar auf einen 20M, womit ein Zwoliter-Ford V6 mit 85 oder 90 PS oder der 2,3-Liter mit 108 PS unter der Haube Dienst tun. Die Kraftübertragung an die blattgefederte Hinterachse oblag einem Viergang-Getriebe mit Lenkrad-Schaltung. Dass der Ford Leichenwagen nicht mehr wie zu Bestatterzeiten strahlt, sondern vielmehr hier und da Zahn der Zeit zeigt – geschenkt. Seine ehemaligen Fahrgäste werden sich daran schon nicht stören.

Hecktüren ersetzen beim Ford Oldtimer die ursprüngliche Klappe ©autorild.de

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