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    Lincoln Continental – nein, auf die Größe kommt’s nicht an

    Tags: Heckantrieb | Lincoln | Oberklasse

    Wer es in den USA in den späten 60ern zu etwas gebracht hatte und GM wie Chrysler nicht leiden konnte, musste sich einfach einen Lincoln kaufen. Und zwar selbstverständlich einen regulären Lincoln Continental – bloß keinen Mark III, das hätte möglicherweise einen zu progressiven Eindruck gemacht.

    Zu den weichgelutschten Plastikautos gehör der Lincoln Continental in jedem Fall nicht ©autorild.de
    Als der Lincoln Continental 1961 präsentiert wurde, war sein sachliches, aber nicht minder würdevolles Design von Elwood Engle eine Ausnahme in der ausgehenden Heckflossen-Ära. Sowohl die zeitgenössischen Cadillac- und Imperial-Modelle sahen daneben gleich von vorgestern aus.

    Wenn es auch gleich ein Lincoln Continental Convertible gab, so mussten sich die Coupe-Fans noch bis 1967 gedulden – erst dann gab es einen Zweitürer. Unser Fotomodell entstammt, wie sich am jährlich geänderten Grill leicht erkennen lässt, dem Modelljahr 1969. Und wie es sich für ein US Fullsize-Car jener Tage gehörte, ist er einfach mal groß: Der Radstand von 320 cm ist allein schon beachtlich, die Außenlänge von 570 cm noch mehr.
    Wie hat der Lincoln da bloß eine Delle bekommen? ©autorild.de

    Lincoln Continental – der ideale Antikleinwagen

    Dass das Lincoln Continental Coupe damit auch bemerkenswerte Überhänge hatte, leuchtet ein. Speziell der hintere bringt leicht unaufmerksame Radler zu Fall, so weit erstreckt er sich über den Bordstein. Dass das 202 cm breite und 138 cm hohe Lincoln Auto rund 2,3 Tonnen auf die Waage brachte, erregte damals keinerlei Ärger. Wozu auch – unter der riesigen Motorhaube saß ein später auch in ordinären Ford-Modellen erhältlicher Big Block V8 mit 460 cui, knapp 7,6 Litern Hubraum. Der schob die Fuhre dank 365 PS und strammer 678 Nm Drehmoment ungerührt nach vorne. Die niedere Schaltarbeit übernahm dabei selbstverständlich eine Dreistufen-Automatik. Immerhin baute Lincoln strahlende Luxusautos, in denen ein Handrührwerk nichts verloren hatte.
    Überhangmandat: Das Gepäckabteil des Lincoln Continental Coupe ragt weit in über den Bordstein ©autorild.de

    Erste Abnutzungserscheinungen am Lincoln

    An unserem Lincoln Continental Fotomodell strahlt jedoch eher wenig – der cremeweiße Lack ist arg stumpf, eine fiese Delle prangt auf dem linken Vorderkotflügel, und die Chromteile könnten eine zärtliche Politur vertragen. Die rechts fehlenden Radkappen tragen wesentlich zum Beater-Look bei, ebenso der eine Reifen ohne Weißwand. Andererseits muss man dem Besitzer zugute halten, dass er keine peinliche Chromfelgen oder gar lächerliche Longhorns auf den Kühler montiert hat. Außerdem scheint der Gilb sich am Oberklasse-Blech die Zähen auszubeißen. Und die paar Unzulänglichkeiten des Lincoln Autos sind genauer betrachtet keine Aufregung wert: Allein die schiere Größe verleiht dem US Oldtimer eine immer noch standesgemäße Aura.
    Der Continental-Schriftzug verspricht mondänen Luxus – völlig zu Recht ©autorild.de