Der AWS Shopper war ein leichter Kleinstwagen, das der einstige Borgward-Händler Walter Schätzle im Jahr 1970 auf der Hannover-Messe präsentierte. Doch die Kundschaft zeigte ihm die kalte Schulter. 

Der AWS Shopper basierte mechanisch auf dem Goggomobil T250 ©autorild.de

Nach einigen Einzelstücken in Handarbeit wurde der AWS SHopper dann zwischen 1973 und 1974 vom Automobilwerk Walter Schätzle unter freudiger Nutzung der Subventionen der Berlinförderung in Berlin-Rudow hergestellt. Die Verarbeitungsqualität galt jedoch als mäßig,

und zeitgemäßes Premium- oder überhaupt Auto-Ambiente wollte in der auf der Kantbank gefertigten Spaceframe-Karosserie aus stählernen Vierkantrohren und Alu-Muffen, die mit kunststoffbeschichtetem Blech beplankt war, nicht im Ansatz aufkommen. Das auf die Bodengruppe des Goggomobil T250 gestellte mittragende Häuschen vom AWS Oldtimer konnte in Handarbeit montiert und nach einem Parkrempler auch mit Hammer, Bohrmaschine und Nietzange repariert werden. 

Das Automobilwerk Walter Schätzle produzierte neben dem Shopper noch den Piccolo ©autorild.de

Der Fiat 126 setzte dem Shopper hart zu

Kostspielige Tiefziehpressen und eine Lackieranlage sparte sich Schätzle damit, doch die niedrigen Stückzahlen trieben die Kosten dennoch hoch – mit einem Preis von 5.700 DM kam der AWS deutlich teurer als ein VW Käfer in Standardausführung zudem lockte der modernere Fiat 126. Wie der Italiener hatte der Shopper einen luftgekühlten Motor im Heck, doch war der mit einem Zweizylinder-Zweitakter aus dem Goggo mit 13,6 PS und 22 Nm Drehmoment nochmals erheblich schwächer. Doch es langte, den leer 415 kg leichten Berliner mit Platz für zwei Insassen auf 75 km/h zu beschleunigen. So diese es unterlassen hatten, beim Aberverkauf der Senatsreserve den weitläufigen Kofferraum durch die tief ins Dach reichende Heckklappe bis auf den letzten Fleck mit Konserven vollzustopfen.

Das Shopper-Cockpit fällt sehr übersichtlich aus ©autorild.de

Der AWS Shopper genügte nicht den Ansprüchen

Doch als Untersatz für konsumgeile Hausfrauen tat sich der AWS Shopper schwer, und auch die Inhaber des alten Führerscheins der Klasse 4  für Kfz bis 250 cm³ standen nicht gerade Schlange. So war denn nach 1400 Exemplaren und 300 AWS Piccolo im Juli 1974 konkursbedingt Schluss. Kein Wunder, das reichlich hemdsärmelige Aussehen, die betagte Technik sowie die zweifelhafte aktive und passive Sicherheit ließen den motorisierten Einkaufswagen als anachronistische und überteuerte Bastelbude erscheinen. Immerhin mussten sich die Kunden ganz nach Henry Fords Idealen nicht mit der Farbwahl belasten: Der bei 180 cm Radstand 307 cm lange, 140 cm breite und 138 cm hohe AWS Oldtimer war ausschließlich in Orange/Schwarz lieferbar.

Der Motor sitzt quer im Heck vom AWS Oldtimer ©autorild.de

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