Wenn die Sowjets sich nicht gerade Nachbauten von Fiat 124 oder Opel Kadett widmeten, konnten sie durchaus eigene Pkw entwerfen. Zu den seinerzeit sehr erfolgreichen Ost-Autos gehörte etwa der von 1967 bis 1975 gebaute Moskwitsch 412.

Die Bodenfreiheit unterschied diverse Ost-Autos von ihren westlichen Klassenkameraden ©autorild.de
Der Moskwitsch 412 hatte unter den für jedermann neu erhältlichen Fahrzeugen eine Sonderstellung – mit 75 PS und 108 Nm Drehmoment nämlich reichlich Dampf. Das gab es weder bei Dacia, Wartburg noch Skoda:

Die sozialistischen Mitbewerber in der unteren Mittelklasse leisteten bestenfalls 60 PS und hatten ihre Motoren stets über der Antriebsachse. Nicht so der bei 240 cm Radstand 425 cm lange, 155 cm breite und 148 cm hohe Moskwitsch: Nach alter Väter Sitte residierte wie in Lada, Wolga oder Zil vorn der Fünfzehnhunderter-Vierzylinder und leitete seine Kraft über ein Viergang-Getriebe an die Hinterräder weiter.

Der Moskwitsch 412 bekam nach dem Facelift 1969 waagerechte Rückleuchten ©autorild.de

Moskwitsch setzte sein Fahrzeuge efolgreich auf Rallies ein

Dass unser Moskwitsch 412 Foto-Modell gleich vier Zusatzscheinwerfer vor seinem polierten Chromgrill trägt, ist keine maßlose Übertreibung, sondern vielmehr eine Verneigung vor den sportlichen Erfolgen: Auf der Rallye Tour d’Europe 1974 etwa fuhr der in die Klasse 2 eingestufte Moskwitsch mit der Nummer 26 von Brundsa und Egorov den Gesamtsieg ein. Doch die durch hohe Bodenfreiheit und robuste wie einfache Blattfedern an der Hinterachse erkaufte Geländetauglichkeit ließ den Pkw Moskwitsch eher wie ein Moskwa-Schiff durch die Kurven schwanken. Auch die rundum verbauten Trommelbremsen waren nie state of the art. Vordere Scheiben gab’s erst ab 1976 beim 412-Nachfolger Moskwitsch 2140.

AZLK: Der Mossi-Hersteller nennt sich „Automobilwerk Leninscher Komsomolsk“ ©autorild.de

Den Moskwitsch 412 gab's ohne lange Wartezeit

Optisch war die Moskwitsch-Karosserie – bereits 1964 für den Moskwitsch 408 eingeführt – mit ihren angedeuteten Heckflossen ebenfalls nie stilprägend. Das brachte den 412 in der Beliebtheit zunehmend hinter den technisch moderneren Lada, gerade, als der auch in Sachen Leistung gleichzog. Das brachte allen, die sich einen Moskwitsch kaufen wollten, zumindest in der DDR einen enormen Vorteil: Sofortige Auslieferung ohne Wartezeiten. Wie lange der stolze Besitzer dieses Prachtstückes in freudiger Erwartung seines Moskwitsch 412 war, wissen wir nicht – wohl aber, dass sein Mossi trotz abenteuerlicher Spaltmaße mit der frischen Lederausstattung und dem strahlendem Lack besser als ab Werk dastehen dürfte.

Der Moskwitsch-Schriftzug in lateinischen Lettern weist auf ein Exportmodell hin ©autorild.de

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