4 Türen

Der Opel Kapitän B hätte wie seine teureren Brüder als Cadillac Seville-Vorläufer vermutlich mehr Erfolg gehabt. In Europa enttäuschte der Absatz aller Opel KAD-B Versionen mit 61.159 Stück im Allgemeinen, der vom Kapitän im Besonderen – immerhin macht ihn das nun besonders rar. 

Der Kapitän war vom Absatz her das schwarze Schaf der Opel KAD-B Reihe ©autorild.de 

„Beherrschte Kraft. Technische Harmonie. Überlegener Fahrkomfort auf der berühmten De Dion-Hinterachse. Souveräne Sicherheit. Unnahbare Eleganz. Das sind die Gentleman unter den Autos. Diplomat. Admiral.“ Warum der unter den beiden Opel Modellen positionierte Kapitän in der Broschüre von 1971 nicht genannt wurde?

Der dritte im Oberklasse-Trio hatte 1970 bereits das sinkende Schiff verlassen: Wenn es schon ein nobler Rüsselsheimer anstatt eines Mercedes S sein durfte, dann nicht Käpt‘n Kassengestell. Nachdem der Opel Kapitän in den 50er und frühen 60er noch ein echter Kassenschlager war, hatte sich das 1964 mit der KAD-A Baureihe schlagartig geändert. Weiter verschlimmert hatte sich die Lage ab 1969, als die erneut amerikanisch inspirierten KAD-B debütierten, Katastrophal wurde es 1972 mit der neuen S-Klasse und 1973 mit der Ölkrise. 

Das Facelift auf waagerechte Lamellen im Grill machte der Kapitän B nicht mehr mit ©autorild.de

Ein Kostverächter war der Opel Oldtimer nicht 

Mochten obige Huldigungen durchaus zutreffen, litt der Opel Kapitän B doch vor allem unter seiner sehr schlichten Innenausstattung: Ein großes Auto allein langte den Kunden einfach nicht, die Basisversion war eher ein Fall für Behörden sowie mit zwei Tonnen Anhängelast obendrein begehrt bei Schaustellern mit wuchtigen Wohnwagen und Metzgern mit größerem Viehtransportbedarf. Auch Leistungshungrige verprellte der Opel Oldtimer – der V8 stand jetzt nur noch beim Diplomat zur Wahl, der moderne 2.8 E mit 160 PS nur ab Admiral aufwärts. Den Kapitän B gab es nur noch mit zwei 2,8-l-Reihensechsern, die als Ottonormalverbraucher 2.8 S 132 mit einem Vergaser 132 PS und 189 Nm oder als Superschlucker 2.8 H mit doppelter Gasfabrik 145 PS und 222 Nm mobilisierten. Was der Spaß kostete? Ein Trinkgeld für den Tankwart und 15 bis 17 l/100 km.   

Mit Niveauregulierung durfte die Opel Limousine glatte zwei Tonnen anhängen ©autorild.de

Die Handschaltung war im Opel Kapitän B klassenüblich 

Die Kraftübertragung obliegt in dieser bei 285 cm Radstand 491 cm langen, 184 cm breiten und 145 cm hohen Opel Limousine dem serienmäßigen Viergang-Getriebe, hier statt Lenkrad- mit Knüppelschaltung. Damit gelang der Spurt von 0 auf 100 in rund 12 bis 13 Sekunden, mit der optionalen Dreistufen-Automatik einen Augenblick länger. Die steigerte zudem merklich den Opel Kapitän-Preis, der für den maximal 175 km/h schnellen 2.8 S bei 13.542 DM startete, während der bis zu 185 Sachen flotte 2.8 H ab 13.941 DM zu bekommen war. Das alles überzeugte nach Ansicht der Konzernführung zu wenige Kunden: Der Kapitän B wurde im Mai 1970 nach 4.976 Einheiten final eingestellt und damit eine seit 1938 genutzte Modellbezeichnung. Ersatzweise bekamen die Opel Händler einen auf Normalbenzin umgestellten Admiral. Der konnte das Ruder leider auch nicht mehr groß herumreißen...   

Im Opel Kapitän B ging es gediegen, aber nicht luxuriös zu ©autorild.de

 

Die Räder am Opel Oldtimer scheinen von einem späteren Chevrolet zu stammen ©autorild.de

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