2 Türen

Von Kompaktwagen, Importen oder gar Frontantrieb hielt die traditionelle Buick Electra-Kundschaft gar nichts. Sie bevorzugte Luxus – und oft Understatement: Nicht wenige Electra erhielten gegenüber aufschneiderischen Cadillac Calais und de Villes den Vorzug.                  

Die Fender Skirts vor den Hinterrädern kamen beim Electra 1971 ab Werk ©autorild.de

1971 ging das Fullsize-Geschäft bei GM in die letzte große Runde: Alle Divisionen bekamen ihre neuen C-Bodies, gegenüber den Vorgängern letztmalig gewachsen. Stärker belastbare Portmonees öffneten sich nicht für Pontiacs oder Chevies, sondern für die Buick Modelle Le Sabre und Centurion mit dem kurzen 315 cm Radstand. Wer allerdings richtig auf die Pauke hauen wollte,

gönnte sich 1971 den neuen Boattail-Riviera oder den Electra inklusive des dieser Vier-Ventiports-Serie beigeordneten Estate Wagon. Letztere beide kamen gar mit 323 cm zwischen den Achsen. Als ordinären Sedan stand das Trishield-Topmodell freilich nicht zur Wahl, wohl aber als zwei- oder viertüriges Hardtop. Keine Wahl gab es unter der Haube, den Buick Electra befeuerte stets der 455-ci-Big-Block mit entweder 230 PS und 495 Nm oder 265 PS und 522 Nm, gekoppelt an eine Dreistufen-Automatik.

Als Zweitürer überzeugte der Buick Electra 34.993 Kunden ©autorild.de

Der Buick Electra gab sich auf Wunsch extrem edel 

Gegenspieler des Antriebsstranges, der den mindestens 2.035 kg schweren Buick Oldtimer in 8,8 bis 9,4 Sekunden von 0 auf 100 und weiter auf gut 200 km/h beschleunigen konnte, war das Zweikreis-Bremssystem mit vorderen Scheiben. Das umfasste der bei 4.801 $ startende Buick Electra-Preis serienmäßig, wie auch die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, den von innen verstellbaren Außenspiegel, eine elektrische Uhr und Stoff-Vinyl-Sitze. An Annehmlichkeiten hielten die Buick Händler – in unserem Fall Pollino aus Pennsylvania mit Niederlassungen in Ambler und Fort Washington quasi alles inklusive elektronischer Traktionskontrolle Max Trac bereit, was Herz, Kopf und Körper begehrten, nur umsonst war davon exakt: nichts, weder elektrische Fensterheber und Sitzverstellung noch AM-Radio, Vinyldach oder getönte Scheiben.

Die 1971 debütierten Buick Modelle des Fullsize-Segments bleiben bis 1976 ©autorild.de

Tödliche Wolken im Electra 

Dafür war der Ärger gratis, denn die neue Full-Flo Lüftung an den 1971er Buicks und übrigen C-Bodies erwies sich als unausgereift. Die Idee der dauerhaften Durchlüftung überzeugte an sich, doch unter bestimmten Bedingungen gerieten die Entlüftungsschlitze hinter der Heckscheibe in eine Unterdruckzone. Das bewirkte einerseits, dass bei Regen und Wind Wasser in den knapp 600 Liter fassenden Kofferraum vom Buick Electra eingesogen wurden. Weitaus gefährlicher war die Einleitung von Abgasen – ja, die guten, altmodischen mit reichlich Kohlenmonoxid – in den Innenraum. Seine Kunden durch Vergasung endgültig oder nicht minder schlimm an Ford zu verlieren, wollte GM nicht und besserte das System 1972 erheblich nach; die rückwärtigen Schlitze verschwanden. So manches Oldtimerforum rät als Abhilfe, den Auslass für 1971 achtern einfach zu blockieren. 

Pollino, der das Buick Coupé einst neu verkaufte hatte, saß in Pennsylvania ©autorild.de

Der Buick Oldtimer avancierte zum Kannibalen  

Jene Probleme, die die Buick Fullsize-Modelle plagten, taten ihrer Beliebtheit aber keinen sonderlichen Abbruch: Der noble Viertürer verkaufte sich satte 90.543 Mal, der Zweitürer begeisterte weitere 34.993 Kunden. Damit war die 575 cm lange, 202 cm breite und 138 cm hohe Buick Limousine abermals ein echter Erfolg, konnte die Mitbewerber Mercury Marquis und Chrysler New Yorker auf Distanz halten, ebenso den 98 der Schwestermarke Oldsmobile. Das war aber nicht die einzige interne Rivalität von letzterem: Neben dem Electra 225 begann auch der Olds als dezente, weniger prestigeheischende Alternative mit nahezu sämtlichen verfügbaren Extras, es dem Caddy de Ville zunehmend schwer zu machen. So war das einst an der Schwelle zum Oberhaus: Hart umkämpftes Terrain.

Einen Doppelauspuff gab es für den Buick Oldtimer gegen Aufpreis ©autorild.de

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