Erst war der VW-Vierzylinder unter nicht vertretbaren Kosten in den in den Trabant 601 gequetscht worden, woraus Trabant 1.1 und Trabant 1.1 Universal resultierten. Dann gab es auf einmal Westautos, und der Trabbi dankte als Ladenhüter ab.

Der rechte Außenspiegel war beim Trabant Kombi serienmäßig ©autorild.de

Nach völlig ausufernden Kosten bei der Bereitstellung des neuen Triebwerks waren die Möglichkeiten zur Erneuerung des Trabant 1.1 arg eingeschränkt. Die anfangs anvisierte Karosserie einer Studie sah kein grünes Licht,

stattdessen verschwand die aufgefrischte Technik unter der größtenteils unveränderten Hülle des Trabant 601. Immerhin bekam der bei 202 cm Radstand 352 cm lange, 153 cm breite und 142 cm hohe Trabant 1.1 eine neue Fronthaube aus Blech, einen asymmetrisch gelochten Grill, Kunststoffstoßstangen. Weiter gab es neue Rückleuchten und einen Tankeinfüllstutzen hinten rechts. Von außen nicht ohne weiteres erkennbar sind der verstärkte Vorderwagen zur Aufnahme des schweren Viertakters sowie die erstmals verbauten Scheibenbremsen und McPherson-Federbeine.

Der Trabant 1.1 Universal Preis startete bei 9.780 DM ohne Kat ©autorild.de

Der Trabant Kombi war recht geräumig

Der neue Nichtraucher mobilisierte im Trabant Youngtimer aus 1,1 Liter Hubraum 40 PS bei 5.300 Umdrehungen und 74 Nm Drehmoment bei 2.700 Touren. Das langte, um den unbeladen 735 kg wiegenden Trabant 1.1 Universal in 22 Sekunden von 0 auf 100 und weiter auf 125 km/h zu beschleunigen. Übermütig ausreizen durfte man die maximale Zuladung von 385 kg dann aber nicht – vor allem, wenn nach Umlegen der Rückbank das Ladevolumen von 400 auf 1400 Liter stieg. Die Heckklappe, das war der Broschüre einen Hinweis wert, kam mit einem Dämpfer, zudem hatte der Trabant Universal einen Heckscheibenwischer vorzuweisen. Mit dem neuen Motor gab es für die Trabant Modelle auch ein neues Getriebe: Fortan wurden die vier Gänge nicht mehr per Revolvergriff, sondern via Knüppel gewechselt. 

Der asymmetrisch gelochte Grill kennzeichnet den Trabant 1.1 ©autorild.de

Der Trabant 1.1 Universal kam zur falschen Zeit

Vorliegender Trabant Kombi war mit dem Standardlack Gletscherblau ohne Kat ab 9.780 DM erhältlich. Ja, DM, denn kaum war im Mai 1990 die Serienproduktion angelaufen, kamen zum 1. Juli mit Einführung der DM in der DDR auch Westautos. Die erweisen sich nach 26 Jahren 601-Karosse dann als doch etwas populärer, sodass nach nur zwölf Monaten und 39.474 nicht selten exportierten Trabant 1.1 Schluss war. Keineswegs rostgefeit unterm Plastekleid und nunmehr ohne jegliches Ansehen, überrascht dieser Trabant Kombi umso mehr mit tadellosem Auftritt; Felgen, Kunststoff und Innenraum absolut adrett. Zeitgenössische Schonbezüge in Wabenoptik schützen die Sitze – oder auch die Insassen vorm Festkleben. 

Seinen Tankdeckel büßte dieser Trabant Universal ein ©autorild.de

Auch für den Trabant Youngtimer gab es Extras

Womöglich war der Erstbesitzer sehr stolz auf seinen Trabant 1.1 Universal, denn er gönnte sich die Heckscheibenheizung zu 50 und die Anhängerkupplung zu 340 DM. Anderweitig trieb er ein Radio und Windabweiser für die Fenster auf. Nebelscheinwerfer offerierte die IFA im „Viertakt-Auftakt“-Prospekt zwar zu 68 DM, doch waren die ab Werk rund. Wie auch der Tankdeckel, unter dem die spritbedingte Verfärbung vom zu niedrigen Überlaufpunkt kündet. Abschließbar war der Deckel obendrein nur gegen Aufpreis. Ob er daher an unserem Fotomodell fehlt?

Der Trabant Youngtimer mit Viertakt-VW-Motor kam zur falschen Zeit ©autorild.de 

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